Die Mythische Morgenröte

Erstes Abenteuer abgeschlossen. Fortsetzung erwünscht?

  • Story fortsetzen!

    Stimmen: 7 87,5%
  • Story: Wie alles begann!

    Stimmen: 0 0,0%
  • Andere Story aus der Welt von Oblivion!

    Stimmen: 1 12,5%
  • Story ohne Oblivion-Inhalt!

    Stimmen: 0 0,0%
  • Lass es bleiben!

    Stimmen: 0 0,0%

  • Umfrageteilnehmer
    8
  • Umfrage geschlossen .
Mir ist auch aufgefallen, dass sich die Tippfehler deutlich verringert haben. ;) Zufall oder Absicht?

Ach ja, mein üblicher Satz: Toll, weiter so^^

Mfg,

Merin:clap:
 
Ja ne aber die Story is so geil, die bindung zwischen ihm und Antoinette jajaja^^
Sag mal Wolfi hast du schon ein Buch veröffentlicht zwinker>.^

(ne heißt bei mir ne nicht neeeee nur damit es nicht zu verwechslungen kommt)^^
 
Wer bis hierher gelesen hat, wird schnell erkennen, das Sarnek nicht der typische Agent der Morgenröte ist, wie wir sie kennengelernt haben. Eher scheint es so, dass er seine Vergangenheit nicht so recht hinter sich lassen konnte. Er hatte seine dunkle Familie auf eine Art verraten, die nicht wieder gut zu machen ist. Und erst jetzt, wo er schon lange für die Dagon-Anbeter arbeitet, sogar erfolgreich fast die komplette Kaiserfamilie ausgelöscht hat, merkt er, dass er sich nicht wohl fühlt, auch wenn er es jetzt noch nicht zugeben will. Umso komplizierter wird Sarneks zweifelhafte Amulett-Wiederbeschaffungsmission, als Lucien Lechance auftaucht, ihm verkündet, er sei Teil eines Plans des Fürchterlichen Vaters, und ihm dann noch eine Begleiterin aufs Auge drückt. Spätestens jetzt stellt sich die Frage: "Wie passt das alles zusammen?" Möge Sithis unseren Held beschützen!

Kapitel V: Einer Spur nach (2/2)
"Wieso läuft du unsichtbar in der Gegend herum, wenn du doch ohnehin schon ein Zimmer hast?", war die erste Frage, die mir im Kopf herumschwierte. Telaendril schaute mich an und grinste amüsiert.
"Du weißt doch, ich liebe den Überraschungseffekt - nicht nur während der Arbeit."
"Wie bist du überhaupt hierher gekommen, und dann noch in so kurzer Zeit?"
"M'raaj-Dar hat sich eines Teleport-Zaubers bedient, wie sie von den Magiergilden in Morrowind verwendet werden. Der mürrische alte Kater hat mehr drauf, als man ihm zutrauen würden." Sie kicherte ausgiebig.

"Also, wie geht es jetzt weiter?", fragte sie wieder ernst.
"Ich weiß auch noch nicht so recht. Auf Begleitung war ich nicht eingestellt."
"Ich war auch völlig überrascht, als der Sprecher mir eine geheime Nachricht zukommen ließ. Ich dachte erst, dass er mich endlich zu seiner Ruhigstellerin ernannte, doch stattdessen machte er mich nur zu seinem Kindermädchen." Wieder kicherte sie in sich hinein.

"Ich finde es ja sehr schön,dass du hier bist", erwiderte ich und versuchte, so aufrichtig wie nur irgenwie möglich zu klingen, "aber ich habe doch leichte Bedenken. Immerhin hat meine Mission doch nix mit der Bruderschaft zu tun."
"Tut mir leid,Sarnek, aber Luciens Wort ist Gesetz. Du hast mich jetzt an der Backe, ob du willst, oder nicht. Wenn du mich loswerden möchtest, wirst du mich schon töten müssen. Vielleicht verzeiht Sithis ja ein zweites Mal."

Wir wussten beide,dass die aufgeweckte Bosmerin Recht hatte. Ich würde mich damit abfinden müssen, dass ich nun nicht mehr allein war. Im Nachhinein fiel mir das leichter, als ich gedacht hätte. Nur, wie würde Ruma, Mankar Camorans Tochter und gestrenge Anführerin der Mythischen Morgenröte, darauf reagieren.

"Du hast mir immer noch nicht gesagt, was du vorhast", weckte mich Telaendril aus meinen Gedanken und wackelte nervös auf dem Bett herum - wie ein Kleinkind, dass darauf wartete, bis endlich seine Geburtstagsgeschenke auspacken darf.

"Nun, in der Stadt gibt es einen Kontaktmann, der uns vielleicht weiterhelfen kann. Er heißt Eugal Bellete und wohnt im Westen, nahe der Kapelle. Den wollte ich aufsuchen."
"Klingt ja nicht all zu spannend", bemerkte die Mörderin trocken. Wenn es nach der Bosmerin ginge, lägen bereits fünfzehn Leichen um uns herum. Anscheinend wusste außer Lucien Lechance niemand über mich Bescheid, worüber ich sehr dankbar war. Allerdings fragte ich mich, wie lange das noch gutgehen konnte. Früher oder später würde die Wahrheit ans Licht kommen. Und dann gute Nacht.

Wir einigten uns darauf, dass ich allein zu Eugal ginge, während Telaendril für die Ausrüstung sorgte. Wer weiß, wohin uns unsere Wege noch führen würden.

Eugal Bellete war nicht besonders erfreut, mich zu sehen. Anscheinend störte ich ihn bei einem seiner verheerenden Experimente. Er versuchte sich schon seit Jahren als Alchemist, aber die Ergebnisse seiner Versuche waren stets - freundlich ausgedrückt - zerstörerisch. Dafür war ein umso besserer Spion.

"Stimmt, eine Bosmerin war hier. Ich glaube, sie hat lediglich ihre Vorräte aufgestockt, und ist dann weitergezogen. Allerdings soll sie sich auch längere Zeit in der nahen Priorei aufgehalten haben. Vielleicht findest du dort deínen Jauffre."

Die Weynon-Priorein vor der Stadt. Sollte dieser Jauffre tatsächlich einer der Mönche sein. Wenn ja, müsst er jetzt das Amulett der Könige haben. Das musste ich so schnell wie möglich herausfinden. Mit etwas Glück wäre mein Auftrag schneller erledigt als befürchtet, und ich könnte wieder im Namen Mankar Camorans in die Schlacht ziehen und meine Vergangenheit endgültig hinter mir lassen.

Doch damit fing meine Odysee erst an ...

Ende Kapitel V (2/2)

Entschuldigt,dass ich mich dieses Mal ein wenig kürzer gefasst habe, aber ich hatte einen harten Arbeitstag und möchte auch noch ein wenig zocken ;).
 
  • Like
Reaktionen: Aeon Dreaddämon
Kapitel VI: Ein schwerer Schlag

Als die Nacht hereinbrach, verließen wir die Stadt durch das Südtor und stiegen hinab zur Weynon-Priorei.
Telaendril hatte mir bei "Feuer und Stahl" in Chorrol eine stabile Lederrüstung besorgt und ein Kurzschwert.
"Ich hoffe, dass du immer noch so ein guter Nahkämpfer bist, wie früher", hatte die Waldelfe mir erklärt, "Denn als Bogenschütze warst du ja noch nie zu gebrauchen."

Das Gelände der Priorei lag im völligen Dunkel, was uns nur recht war. Ich war überzeugt, dass irgendwo hier das Amulett der Könige versteckt sein musste, aber wo sollten wir anfangen zu suchen?

Drei Gebäude kamen als mögliches Versteck in Fragen. Zur Linken befand sich das kleine Haus des Laienbruders. Zur Rechten stand die Kapelle. Das große Gebäude in der Mitte war das Haupthaus der Priorei.

"Dort fangen wir an!", entschied ich, "Du hast nicht zufällig einen Unsichtbarkeitstrank für mich dabei,Telaendril?"
"Doch, hier."
Sie kramte in ihrem Rucksack und reichte mir dann eine kleine Phiole mit einer bläulich schimmernden Flüssigkeit.
"Reicht etwa für fünfzehn Minuten", erklärte sie mir. Da musste reichen.

Ich leerte die etwas bittere Flüssigkeit in einem Zug und merkte kurz darauf, wie meine Außenhülle sich langsam auflöste. Telaendril hingegen setzte sich ihre Tarnkappe auf, und schon schlichen zwei unsichtbare Gestalten durch die Nacht, um in das Haus von drei Mönchen einzubrechen. Leise öffnete ich die Tür.

Drinnen merkten wir, dass wohl doch noch nicht alle Bewohner im Bett waren. Auf der großen Treppe genau vor uns standen zwei Mönche mit den Schultern in unsere Richtung und unterhielten sich. Wir konnten vorerst nichts weiter tun, als sie zu belauschen.

"Mich beunruhigt nur", sagte der jüngere Mönch, "dass unser Bote aus Kvatch noch nicht zurückgekehrt ist."
"Ja,das ist in der Tat kein gutes Zeichen. Irgendwas ist geschehen, das spüre ich. Irgend etwas Grauenvolles."
"Die Bosmerin, die heute Mittag bei Euch war - was wollte sie, Bruder Jauffre?"

Ich horchte auf. Dieser alte Mönch vor uns war also Jauffre. Und Cascada war tatsächlich bei ihm. Das konnte nur heißen, das das Amulett hier sein müsste. Davon war ich überzeugt.

"Der Kaiser ist tot, Bruder Piner. Doch es gibt noch eine Hoffnung - Bruder Martin in Kvatch. Die Waldelfe ist auf dem Weg, ihn zu uns zu bringen.Hoffentlich ist es noch nicht zu spät."
"Bruder Martin? Warum sollte er uns helfen können?"
"Weil er des Kaisers letzter Sohn ist!"

Mit diesen Worten trennten sie sich wieder. Der junge Mönch begab sich ins Schlafabteil des oberen Stockwerks, und Jauffre verschwand in der Bibliothek, die vermutlich zugleich sein Büro war. Zu dumm, dass sie nichts über den Verbleib des Amuletts erwähnt hatten. Dafür erfuhr ich Dinge, welche die ganze Situation änderten:

Der Kaiser hatte also noch einen Sohn, der wohl als Priester in Kvatch arbeitete. Ich wusste, dass die Daedra, Mehrunes Dagons persönliche Krieger, Kvatch überfielen, wenn ich auch die Gründe hierfür nicht kannte. Ob sie wohl wussten, dass es dort noch einen Thronerben gab?

Für eine Weile hatte ich vergessen, dass Telaendril die ganze Zeit über hinter mir gestanden und genau wie ich das Gespräch der beiden Mönche verfolgt hatte. Als ich mich jedoch umdrehte, war sie nicht mehr da. Sie musste sich aus dem Haus geschlichen haben, als ich abgelenkt war. Ich hatte eine üble Vorahnung und begab mich - inzwischen wieder sichtbar - nach draussen, als ich um ein Haar von einem von Telaendrils Pfeilen getroffen worden wäre.

"Mach dir keine Sorgen, Sarnek", sprach sie grimmig, "Hätte ich dich treffen wollen, wäre dies auch gesehen."
Sie stand mir in weniger Entfernung gegenüber und zielte mit ihrem Bogen genau zwischen meine Augen. Zumindest sah es so aus.

"Telaendril, hör zu! Das, was du da gehört hast,..."
"...ist die Wahrheit,nicht wahr?", unterbrach sie mich wütend, "Diese 'Person', die du getötet hast, war der Kaiser. Du hast Uriel Septim getötet, gib es ruhig zu."
"Ja,das war ich!", gestand ich resigniert, "Ich sollte ihn töten und das Amulett der Könige in meinen Besitz bringen, doch die Bosmerin kam mir zuvor. Deshalb such ich jetzt nach ihr und dem Amulett"
"Welches sich jetzt irgendwo in Haus Weynon befinden soll?"
"Ja!"
"Für wen arbeitest du?", fragte sie nun. Ihre Stimme bebte. Ich hatte keine andere Wahl, als ihr die ganze Geschichte zu erzählen. Vielleicht hätte ich das schon viel eher tun sollen.

"Ich gehöre zur Mythischen Morgenröte", erklärte ich, "Wir sind Anhänger von Mehrunes Dagon. Unser Anführer Mankar Camoran braucht das Amulett, um mit seiner Hilfe Oblivion und somit den Prinzen der Zerstörung nach Tamriel zu holen."
"Sie haben Kvatch erwähnt. Was ist damit?" ,rief sie fast hysterisch.
"Die dortigen Agenten des Ordens haben vor Kvatch ein Oblivion-Tor geöffnet. Die Daedra haben die Stadt überfallen, aber den Grund kannte ich bis eben noch nicht. Vermutlich hat es etwas mit diesem Martin zu tun."

Die Nachricht von Kvatch gab der jungen Bosmerin den Rest. Sie ließ den Bogen fallen und sank verzweifelt zu Boden. Ich wusste, dass in der Stadt ebenfalls einen Unterschlupf der Bruderschaft gab, in dem einige ihrer besten Freunde lebten. Ich ahnte, dass auch sie keine Chance gegen die grausamen Daedra haben würden.

So stand ich nun völlig hilflos vor der Weynon-Priorei und starrte auf meine ehemalige Dunkle Schwester Telaendril, die eben noch voller Zorn auf mich und im nächsten Moment voller Verzweiflung weinte. Ich wusste auch nicht, wie ich sie hätte beruhigen sollen. Nur eines wurde mir in diesem Moment klar: Ich hatte einen Fehler gemacht!

Ende Kapitel VI
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Like
Reaktionen: Aeon Dreaddämon
Kapitel VII: Blutiger Winter

Ich ließ sie in ihrem Zorn zurück. Nur zu gut verstand ich, wie sie sich fühlte. Mein Weg war nicht mehr der Weg der Bruderschaft, auch wenn Lucien Lechance dies wohl anders gesehen hatte. Innerlich verfluchte ich ihn dafür, dass er mir das Mädchen aufgedrückt hat, obwohl er genau wusste, wer ich war und was ich tun musste. "Sithis hat Pläne mit dir!", hatte er zu mir gesagt. Wenn es sein Plan war, mich derart zu quälen, dann war ihm das bereits gelungen.

Doch zum Glück war meine Aufgabe fast beendet. Ich hielt das Amulett noch nicht in Händen, aber ich wusste, wo es sich befand. Da ich allerdings vermutete, dass das Amulett gut bewacht würde, dürfte es schwierig werden, es in Besitz zu nehmen. So beschloss ich, zurück in den Bau der Morgenröte zu reisen und um Verstärkung zu bitten.

Ich ritt die ganze Nacht durch. Telaendril war in der Zwischenzeit verschwunden. Ich vermutete, dass sie in ihren Unterschlupf zurückgekehrt ist, um den anderen Meuchelmördern die Wahrheit über mich zu erzählen. Ich hasste mich dafür, dass ich überhaupt einen Fuß in die Höhle setzte, in der ich alles zurückgelassen hatte, was mir einst so wichtig und nun nur noch im Weg war. Plötzlich kam in mir eine Erinnerung hoch, die ich so viele Jahre zu verdrängen versucht habe:
___

Der Winter war hereingebrochen in Cyrodiil. Der Schnee lag auf den Häusern Cheydinhals wie Puderzucker auf einem Kuchen, und die Sterne des Nachthimmels brachten ihn zum Glänzen.

Ich war gerade von einer Mission für meinen Mentor Vladimir Verane zurückgekehrt. Es war nicht irgendein Auftrag, wie ich sie bisher von Viciente Valtieri oder Ocheeva erhielt. Nein, mit dieser Mission sollte ich endlich die Chance erhalten, zum Ruhigsteller ernannt zu werden, zum persönlichen Attentäter des Mannes, der mir so viel bedeutete und der mir alles zeigte.

Stolz über meinen Erfolg kletterte ich über den alten Brunnenschacht nach unten in den Unterschlupf. Verane würde in seiner Kammer auf mich warten. Erwartungsvoll klopfte ich an die schwere Flügeltür.

"Tritt ein, mein Sohn!", sprach er in einem Tonfall, der genauso einem Untergebenen hätte gelten können. Ich war die Kälte, die stets von ihm ausging, bereits gewohnt. Autorität stand für ihn an erster Stelle.

Verane saß in seiner üblichen schwarzen Kutte hinter seinem Schreibtisch und las in irgendwelchen Dokumenten, vermutlich vergangene Aufträge.

"Guten Abend, Meister Verane!", grüßte ich demütig, wie er es von mir erwartete,ohne von ihm auch nur eines Blickes gewürdigt zu werden.
"Ich bin zurückgekehrt."
"Man sagt, du seist erfolgreich gewesen. Stimmt das?"
"Ja,Meister. Der verräterische Alchemist ist tot. Ich habe ihn in seinem Geschäft außerhalb der Kaiserstadt aufgespürt und vernichtet. Das Haus selber ist nur noch eine Ruine."
"Sehr gut, Sarnek!"

Er wirkte nicht besonders interessiert ob meines Erfolges, was mich ein wenig irritierte.
"Macht Ihr mich nun zu Eurem Ruhigsteller?", fragte ich ihn vorsichtig. Todernst, als hätte ich ihn soeben beleidigt, schaute er von seinen Dokumenten zu mir herüber.

"Mein Ruhigsteller?", wiederholte er fast hysterisch, "Glaubst du ernsthaft, du seist schon bereit, mein Ruhigsteller zu werden?"
"Aber Meister! Ihr sagtet doch ..."
"Jemanden einfach zu ermorden, ist nicht alles. Das bekommt jeder einfache Soldat hin. Ein wahrer Mörder tötet aus voller Leidenschaft. Er genießt den Augenblick, in dem er das Messer in das Herz seines Opfers stößt, wenn das warme Blut über seine Hand läuft und den Boden rot färbt. Du ,Sarnek, verspürst noch zu viel Mitleid, zu viel Scheu. Du solltest dankbar sein für jede Seele, die du Sithis darbieten darfst, aber für dich ist es nicht mehr als ein Job. Nein, du bist des Ranges eines Ruhigstellers noch lange nicht würdig. Tut mir leid!"

Diese Erniedrigung ausgerechnet aus dem Mund meines Helden zu vernehmen, war zu viel für mich. Sie erfüllten mich mit einem Zorn, den ich vorher nicht gekannt hatte. All die Jahre wurde ich nur auf diesen einen Tag vorbereitet. Ich trainierte hart, nahm jeden noch so miesen Auftrag an, nur um meinem Mentor zu gefallen. Und nun sollte ich auf einmal nicht blutrünstig genug sein?

Reflexartig griff ich zu meinem Dolch, warf den Sprecher mit voller Wucht auf den kahlen Steinboden und stach auf ihn ein, immer und immer wieder. Blut spritzte aus allen Öffnungen an die Wände und auf den Boden, mein Jähzorn kannte keine Grenzen. Ich wollte ihm zeigen, wie leidenschaftlich ich wirklich sein konnte. Er hatte nicht geringste die Chance, sich zu wehren.

Als meine Wut verpufft war, erhob ich mich und betrachtete den völlig entstellten Kadaver zu meinen Füßen. Mein Kopf war vollkommen leer, weder Reue noch Glücksgefühl mochten sich einstellen. Ich bekam noch mit, wie plötzlich Anoinetta Marie ins Büro trat und voller Entsetzen aufschrie ob des Anblickes,dass sich ihr bot. Dann wurde ich bewusstlos.
___

Verlegen schüttelte ich den Kopf. So lange lag dieses Ereignis nun schon zurück und verfolgte mich trotzdem noch immer. War dies das Schicksal, dass Sithis mir zugedacht hatte? Oder war ich nur die Hauptfigur in der Geschichte eines wahnsinnigen Schriftstellers?

Ende Kapitel VII
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich deute die Anspielung auf den Alchemisten doch richtig, wenn ich dabei an das heruntergebrannte Alchemisten-Haus denke? ;)

MfG,

Merin
 
  • Like
Reaktionen: Wolfman23
Ein Wahnsinniger Schriftsteller? Jetzt kommt die Warheit endlich ans tageslicht :lol:.
Also deine geschichte hier liest sich verdammt gut! Ich warte gespannt auf das nächste Kaptiel!
 
  • Like
Reaktionen: Wolfman23
Was es jetzt genau mit dem abgefackelten Haus auf sich hat, kann ich leider nicht sagen, aber in die Story hat es halt gepasst :D.

Ich hätte übrigens noch einem Vorschlag:
Der Titel "Mythische Morgenröte" passt im Nachhinein nicht wirklich zum Inhalt. Wenn ihr wollt, könnt ihr ja mal ein paar Vorschläge machen. Wenn genug zusammenkommen, können wir ja per Umfrage entscheiden, wie die Geschichte in Zukunft heißen soll. Danke im Voraus.


Kapitel VIII: Entscheidungen

Dicke Regentropfen fielen auf die Erde hinab, und ein kalter Wind huschte durch die hohen Bäume des nahen Forstes. Völlig durchnässt stieg hinauf zum Eingang des Hauptquartiers der Mythischen Morgenröte, von der ich lange glaubte, sie wäre meine Heimat.

Ich erinnerte mich noch, dass ich nach meinem Verrat zwei Jahre lang einsam und von Selbstmitleid zerrfressen durch die Gegend irrte, mich mit Einbrüchen und Taschendiebstähle über Wasser hielt und mich regelmäßig betrank, ehe ich an Rabe Camoran, den Bruder unserer Anführerin, geriet:
___

"Statt dich der Sinnlosigkeit deines bisherigen Lebens und dem Wein hinzugeben", sprach der dunkeläugige Hochelf in der roten Kutte zu mir, "solltest du dir lieber einma dies hier anschauen."

Er drückte mir ein Buch in die Hand - "Erläuterungen zum Mysterium Xarses". Auf dem Umschlag, der so rot war wie die Kutte des Fremden, war eine stilisierte Sonne abgebildet, die gerade am Horizont aufzutauchen schien.

"Was ist das?", fragte ich verwirrt. Der Hochelf lächelte mich eindringlich an. "Wenn du willst", antwortete er, "ist dies der Schlüssel zu einem neuen Leben, mein Freund. Es sind insgesamt vier Bände. Die Bände Zwei und Drei solltest du problemlos in einem der Buchläden überall in Cyrodiil finden, das vierte Buch jedoch erhälst du nur, wenn du dich entschließen solltest, uns beizutreten. Alles Weitere erfährst du, wenn es soweit ist. Bis dahin wünsch ich dir noch viel Glück und hoffe,dass wir uns bald wiedersehen."
Ich wollte gerade noch etwas fragen, da war aber schon verschwunden, als hätte er sich in Luft aufgelöst. Völlig durcheinander betrachtete ich mir das geheimnisvolle Buch und begann darin zu lesen. Dies war der erste Schritt in eine Welt, die mit den Lehren der Bruderschaft nicht zu vergleichen war.
___

Schwere und feuchte Luft schlug mir entgegen, als ich den Bau über dem Arrius-See am frühen Morgen betrat. Die meisten meiner Brüder schliefen noch. Nur Harrow, der Wächter des Dagon-Schreins, unterhielt sich mit Ruma Camoran, die mich bereits ungeduldig erwartete. Ich spürte wieder, wie ihre gefährlichen Augen mich zu durchbohren schienen.

"Du bist wieder ohne das Amulett zurückgekehrt, wie mir scheint", stellte sie treffend fest, als sie mich erblickte. Ich versuchte, mich diesmal nicht von ihr einschüchtern zu lassen und antwortete: "Aber ich weiß, wo es sich befindet - im Haupthaus der Weynon-Priorei. Allerdings ist es für mich allein unmöglich zu erreichen. Die Mönche lassen es Tag und Nacht bewachen. Jauffre ist bei ihnen."
"Und die Bosmerin?"
"Ihr Name lautet Cascada und sie ist auf dem Weg nach Kvatch. Anscheinend gibt es doch noch einen weiteren Thronerben namens Martin, der dort als Priester dient. Ich glaube nicht, dass sie an den Daedra vorbeikommen wird."

In dem Moment wurden wir von Lärm unterbrochen. Jemand läutetete den Eindringlingsalarm.
"Darüber reden wir noch, Sarnek", zischt Camoran mich an und begab sich mit den inzwischen erwachten Mitgliedern, die sofort ihre Rüstungen heraufgeschworen, zum Eingang. Auch ich zog mein Kurzschwert und folgte ihnen.

Was ich sah, nahm mir fast den Atem. Niemand anderes als ausgerechnet Telaendril war es, die sich wutentbrannt durch die Gänge kämpfte und dabei Agent für Agent mit ihrem Bogen erlegte. Es dauerte aber nicht lange, da wurde sie von allen Seiten eingekreist. Ihre Chancen standen bei einer solchen Übermacht alles andere als gut. Ihr tapferer Versuch war zum Scheitern verurteilt, noch bevor er richtig begonnen hatte.

"Wer bist du?" hörte ich Ruma ruhig zu der Mörderin sagen, als ich in den Kreis trat und nun direkt vor der jungen Bosmerin stand.
"Ich bin Telaendril, eine Schwester der Dunklen Bruderschaft, welcher auch euer Agent Sarnek einst angehörte, ehe er uns ... verließ."
Ich hielt vor Aufregung die Luft an. Was in Namen der Neun,Sithis' und Dagons tat sie?

"Er hat mir alles über euch erzählt, über euren zerstörerischen Kult und eure Pläne", sprach sie weiter, "Ich und meine Kameraden werden niemals zulassen, dass ihr unsere Welt in eine Hölle vernichtet. Eher vernichten wir euch."

Ruma Camoran blickte mich zornig an und winkte mich zu sich. Langsam und nervös trat nun auch ich in den Kreis und erhaschte kurz einen trotzigen Blick der Bosmerin.
"Diese Waldelfe hier behauptet, dich zu kennen", fragte die Anführerin mit ihrer eintringlichen Stimme.
"So ist es, Herrin!", antwortete ich demütig.
"Und du hast ihr alles erzählt?"
"Es ... ließ sich nicht vermeiden, Herrin. Sie befand sich ebenfalls in der Priorei, als ich ein Gespräch zwischen Jauffre und einem anderen Mönch belauschte."

"Du Narr!", fuhr sie mich giftig an, "Du hättest sie auf der Stelle töten sollen. Anstatt weihst du sie in unsere Pläne ein und führst sie obendrein noch zu unserem Heiligtum. Du kannst von Glück reden, dass sie dumm genug war, allein hierher zu kommen, statt noch die Kaiserliche Legion mitzubringen."

Doch in diesem Moment drangen an die fünfzig bewaffnete Soldaten mit Kampfgebrüll in die Höhle ein und griffen sofort an. Es waren keine Legionäre, sondern nordische Söldner, die Telaendril wohl irgendwo an der Grenze zu Hammerfell aufgegabelt hatte.

Der Kampf, der nun tobte, war kaum zu überschauen. Schwerter und Äxte klirrten aufeinander, auf beiden Seiten gab es Opfer. Die Söldner in ihren leichten Rüstungen hatten gegen die schwer bewaffneten Kämpfer der Morgenröte keine reelle Chance, so tapfer sie auch kämpften.

"Da siehst du, was du in deiner Torheit angerichtet hast!", zischte Ruma Camoran über den Kampflärm hinweg, der nun um uns herum ausgebrochen war, "Doch, ich will dir noch eine letzte Chance geben, mir deine Treue zur Mythischen Morgenröte zu beweisen. Töte sie!"
Sie zeigte auf Talaendril, die ihren Übermut längst verloren hatte und nun vollkommen hilflos dastand, von an die fünfzig Agenten umringt.

"Ich glaube wirklich nicht,dass ...", entgegnete ich kleinlaut.
"Töte sie, hab ich gesagt, oder ich tu es. Und danach töte ich dich!"

Mißmutig zog ich das Kurzschwert, das die Bosmerin mir einen Tag zuvor kaufte, und näherte mich ihr. Ich verharrte einen Augenblick und schaute ihr tief in die Augen. Todesangst und Reue fand ich in ihnen. Gefühle, die nach meinem Mentor die größten Sünden waren, die ein Mörder der Bruderschaft begehen konnte.

Ich hatte eine Entscheidung zu treffen, und das schnell.
Ich erhob das Schwert und holte aus. Ich ließ die Klinge genau auf Telaendril zurasen, doch im gleichen Moment drehte ich mich blitzschnell um und rammte es Ruma ins Herz - zu schnell, als dass sie hätte kommen sehen. Sie war auf der Stelle tot.
"Das Paradies erwartet dich, du Hexe", gab ich ihr zum Abschied mit.

Diese Tat blieb natürlich nicht ohne Folge. Die Krieger griffen mich sofort an. Zum Glück kannte ich ihre Stärken, die hauptsächlich in ihren daedrischen Rüstungen lagen und in ihrer Überzahl.

Ich nahm Telaendril schützend hinter mich, verzweifelt darum bemüht, die Hiebe unserer Angreifer zu parieren.
"Du musst uns hier rausteleportieren!", brüllte ich der Bosmerin zu, während sich der Kreis um uns enger schloss, und hoffte inständig, dass M'raaj-Dar ihr eine entsprechende Schriftrolle mitgegeben hat.

"Wohin denn?", rief sie zurück.
"Egal,wohin!" antwortete ich unser Leben kämpfend, bewaffnet mit einem Kurzschwert, dass gegen die daedrischen Langschwerter der Morgenröte wie ein Zahnstocher wirkte.

Plötzlich spürte ich, wie Telaendril mit am Arm packte, und die große Halle des Heiligtums sich auflöste. Für den Bruchteil einer Sekunde war ums herum nur Nebel, der in unglaublicher Geschwindigkeit um uns herumkreiste - ähnlich einem Wirbelsturm.

Als der Nebel verschwand, standen wir vor den Toren einer Stadt - oder was einmal eine Stadt gewesen sein musste. Ein riesiges Oblivion-Tor erstreckte sich unheilvoll vor unseren Augen.
"Wo sind wir hier?", fragte ich die Waldelfe erschöpft, während ich meine linke Hand auf eine blutende Wunde an meinem Schwertarm presste. Ihre Worte drangen gedämpft an mein Ohr, ehe ich am Ende meiner Kräfte zusammenbrach.

"Wir sind in Kvatch!"

Ende Kapitel VIII
 
Kapitel IX: Sithis

Ich stand in einem Raum aus purer Finsternis. Um mich herum war das Nichts. Und ich war allein, zumindest sah es so aus.

Doch dann erschien ein Wesen vor meinen Augen - so schwarz wie die dunkelste Nacht und wie ein zerrissener Vorhang schwebte es vor mir und blickte mich an. Seine Augen waren von einem strahlenden Rot wie das Blut, das seit einer Ewigkeit an meinen Händen klebte.

"Willkommen in meinem Reich, Sarnek!", sprach das Wesen in einer Stimme, die an das Rauschen des Windes erinnerte, "Ich bin Sithis!"
"Sithis? Bin ich tot?"

Er grinste mich belustigt an und schüttelte dann denn Kopf.
"Nein, du bist nicht tot. Noch nicht!"
"Aber, warum bin ich dann hier?"
"Weil ich es gern so wollte!", sprach Sithis, "Du hast so viel durchgemacht, und heute sollst du die Gründe erfahren, mein Sohn!"

Ich war gespannt. Tatsächlich drängten sich mir ein paar Fragen auf, die ich nur zu gerne beantwortet hätte.

"Setz dich!", forderte der Fürchterliche Vater mich freundlich auf, und hinter mir erschien eine Holzbank, wie sie in den Kapellen verwendet wurden.

"Lass mich dir zuerst eine Frage stellen", sprach Sithis weiter und legte dabei die knochigen Fingerkuppen seiner beiden Skeletthände aneinander,
"Warum bist du einst der Bruderschaft beigetreten? Außer, um deine Fähigkeiten sinnvoll zu nutzen!"
"Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher", antwortete ich resigniert. Sithis schaute mich gedulig an und lächelte.

"Das dachte ich mir!", antwortete der Geist und umkreiste mich nun langsam.
"Nun, es gibt mehrere Gründe, zum Mörder zu werden. Gogron gro-Bolmog etwa tötet, weil er es liebt und weil er dafür bezahlt wird. Er würde seine eigene Mutter töten, wenn er es nicht längst getan hätte." Bei diesen Worten lachte Sithis sarkastisch, beruhigte sich aber gleich wieder. "Ocheeva und Teeinava töten, weil sie als Schattenschuppen daran glauben und sich dazu verpflichtet fühlen. M'raaj-Dar hat bisher nur ein einziges Mal für mich getötet, um überhaupt aufgenommen zu werden. Doch er dient mir, indem er seine Dunklen Geschwister mit Waren und Heilung versorgt."

Irgendwann gab ich es auf, ihm nachzuschauen, wenn er von links an mir vorbeischwebte und dann wieder rechts hinter mir verschwand. Stattdessen blickte ich verwirrt in das perfekte Schwarz vor mir. Sithis bemerkte dies wohl und blieb nun wieder direkt vor mir stehen. Sein Gesichtsausdruck hatte nun etwas Väterliches.

"Was ich damit sagen möchte", erklärte er nun, "Es ist nicht wichtig, warum du tötest. Hauptsache, du tust es in meinem Namen. Du hast Verane getötet, weil er deinen Stolz getötet hat, nicht wahr? Du wusstest im tiefsten Inneren deiner Seele, dass er Recht hat, wolltest es aber nicht wahrhaben. Du bist kein Mörder, Sarnek!"

"Ich habe ein Mitglied der Schwarzen Hand blutrünstig ermordet, Vater!", entgegnete ich trotzig, "Ich bin ein Verräter!"
"Ja, du hast das wichtigste Gebot gebrochen, aber du tatst es, weil es mein Wille war. Vladimir Verane war ein fähiger Sprecher, aber er musste sterben, um dir deinen Weg zu bereiten."
"Du wolltest, dass ich der Mythischen Morgenröte beitrete?"
"Ich wollte, dass du erkennst, wer du wirklich bist."
"Auch für die Morgenröte habe ich gemordet, zuletzt Kaiser Uriel Septim VII persönlich."
"Auch dies geschah gewissermaßen in meinem Namen, auch wenn der Kaiser und sogar die Mythische Morgenröte jeweils ihre eigenen Götter dafür in den Vordergrund stellen." Er kicherte belustigt.

"Als du Ruma Camoran erstachst", erklärte der Geist weiter, "zogst du einen Schlussstrich unter dein Leben als Agent der Morgenröte. Du bist nun wieder frei, doch deine Mission ist noch nicht erfüllt."
"Meine Mission?"
"Die Bosmerin, nach der du suchst, hat einen ähnlichen Leidensweg zu gehen wie du. Von dem Tag an, als sie in einer Zelle des Kaiserlichen Gefängnisses dem Kaiser selbst begegnete, wurde sie vom Schicksal geführt. Ich kenne ihr Schicksal. Im Laufe der Zeit wird sie Dinge tun müssen, die in deinen Augen grausam erscheinen werden, doch sie müssen geschehen, damit das Rad der Zeit sich weiterdreht. Und du sollst ihr dabei helfen, genau wie Telaendril dir helfen wird."
"Was soll ich tun, Vater? Und was hat Telaendril damit zu tun?"

Um mich herum drehte sich alles. Die Schwärze begann sich aufzulösen. Ich fiel hinab in das unendliche Nichts.
"Du wirst verstehen, wenn es soweit ist", rief Sithis mir nach, "Telaendril wird dir helfen. Antoinetta Marie und alle anderen sind verloren, doch für Telaendril und dich besteht noch Hoffnung. Du musst erwachen, Sarnek. Erwache!"

Ende Kapitel IX
 
  • Like
Reaktionen: Aeon Dreaddämon
Wow, jetzt begegnet Sarnek Sithis. :)
Gefällt mir, deine Fortführung. Ich bin gespannt, ob Sarnek sich wirklich dann der Bosmerin anschließen wird.

Gruß
roobsi
 
  • Like
Reaktionen: Wolfman23
Weil heute Sonntag ist und weil ihr so treue Leser seid, bekommt ihr noch ein Kapitel, es bleiben ohnehin nicht mehr viele übrig. Vorher jedoch würde ich euch gerne was erklären.Einige werden sich vielleicht schon gefragt haben, warum ausgerechnet Telaendril unseren Freund auf seine Reise begleitet und nicht etwa seine geliebte Antoinetta oder jemand ganz anderes.
Nun, die Idee kam mir bei einer witzigen Entdeckung, die ich gemacht habe:

Wie ihr wisst, muss man im Verlauf der Bruderschafts-Quests die Reinigung vollziehen, also alle Mitglieder töten. Das hab ich ja auch getan. Irgendwann war ich dann endlich Zuhörer und kehrte in den Unterschlupf zurück. Da lag tatsächlich noch Telaendrils Leiche an der Stelle, an der sie gestorben ist. Da ich Leichen in meinem Unterschlupf nicht leiden kann, hab ich sie einfach via Cheat wiederbelebt. Jetzt läuft sie wieder gemütlich durch die Gegend,als wäre nie was passiert.

So, aber nun wieder zurück zur Action!


Kapitel X: In den Fängen Oblivions (1/3)

"Du musst erwachen, Sarnek. Erwache!"
Die Stimme drang leise und immer näher kommend an mein Ohr. Es war nicht mehr Sithis, der zu mir sprach. Die Stimme gehört einer Frau, die ich zu kennen glaubte, doch mein Geist war benebelt.

Ich lag auf etwas, was eine Liegestatt sein mochte, vermutlich ein einfaches Laken auf steinigem Boden, der sich mir schmerzhaft in den Rücken borte. Mir war furchtbar schwindelig.

"Komm doch endlich zu dir, Sarnek.", sprach die Stimme zu mir und schien den Tränen nah, "Ich flehe dich an!"

Als ich es endlich schaffte, meine Augenlider unter höllischen Schmerzen zu öffnen, verschwand die Dunkelheit um mich herum, aber es wirkte alles so verschwommen. Nur allmählich wurde meine Umgebung wieder deutlicher. Mein Verstand erwachte wieder zum Leben.

Telaendril saß mit dem Gesicht über mir gebeugt und fuhr mit ihrer Hand durch mein strubbiges Haar. Unter ihren Augen glänzten Tränen. Noch nie war ich so erleichtert, sie zu sehen. Doch dann fiel mir ein, was geschehen war, dort in der Höhle der Morgenröte - was diese Bosmerin riskiert hatte.

Ehe ich mich versah, schoss meine linke Hand nach vorne, packte Telaendril am Hals und zog sie ganz nah an mich heran.

"Närrisches Spitzohr!", fuhr ich sie wütend an, "Warum bist du mir gefolgt? Hast du wirklich geglaubt, du und deine paar Söldner könnten die gesamte Mythische Morgenröte auslöschen? Du hättest jetzt tot sein können."

Telaendril wehrte sich nicht, schaute mich nur ein wenig reumütig an, wie man es bei ihr nur selten sah.
"Es tut mir leid, dass ich dir Ärger gemacht habe, aber ich war verzweifelt. Als ich dir zu dieser Höhle folgte, tat ich es nicht im Auftrag der Bruderschaft, sondern aus freien Stücken. Ich wollte nicht zulassen, dass diese Leute alles kaputt machen. Ich mag eine Mörderin sein,Sarnek, aber für die Erhaltung der Welt bin ich bereit, Leben zu retten, statt es nur zu nehmen."

Meine Wut verflog etwas, und ich ließ sie los. Mein Arm erinnerte mich intensiv daran, dass er im Kampf schwer verwundet wurde.

"Um ein Haar hättest du diese Chance verspielt gehabt", entgegnete ich ironisch. Telaendril rieb sich den Hals, an dem noch deutlich mein Händeabdruck zu sehen war. Dennoch lächelte sie überlegen und antwortete:
"Hätte ich, wenn du den Befehl deiner Anführerin befolgt hättest. Stattdessen widersetzt du dich einfach und rettest mir das Leben. Wird bei dir wohl allmählich zur Gewohnheit, was?"

Als mir klar wurde, wie recht sie hatte, begann ich lauthals zu lachen. Meine Rippen wehrten sich beharrlich dagegen, doch ich konnte nicht anders. Ich war also wieder zum Verräter geworden,doch diesmal fühlte es nicht so an, eher wie das Erwachen aus einem endlosen Alptraum. Endlich fühlte ich mich frei.

"Wo befinden wir uns überhaupt?", fragte ich die Bosmerin, als ich mich umsah. Ich lag auf einer Schlafmatte in irgend einem Zelt. Ich erinnerte mich noch, dass Telaendril erwähnte, wir seien in Kvatch. Waren wir das noch immer?

"Wir befinden uns in einem Flüchtlingslager am Fuße von Kvatch", erklärte die Bosmerin, "Als ich uns aus der Höhle rausholte, war dies der erste Ort, der mir einfiel. Kurz nach unserer Ankunft wurdest du ohnmächtig. Aber mit Cascadas Hilfe konnte ich dich hierher bringen und verarzten."
"Cascada? Sie ist hier?"
"Dies hier ist ihr Zelt. Ich glaube, im Moment bespricht sie sich mit Savlian Matius, dem Wachhauptmann von Kvatch."
"Ich muss sofort zu ihr."

Ich wollte mich gerade aufsetzen, als mich Telaendril sanft wieder zurückdrängte.
"Nix da,mein Süßer", konterte sie in gespielter Strenge, "du hast jetzt erst einmal Stubenarrest.Es war anstrengend genug, dich wieder zusammenzuflicken. Was hast du eigentlich vor? Willst du sie immer noch töten?"
"Ganz im Gegenteil, ich werde sie bei ihrer Mission unterstützen."

Ich sah dem Mädchen an, dass sie kein Wort verstand, und erklärte:
"Ich bin Sithis begegnet. Er hat mir alles erklärt. Cascada und ich sind sowas wie Schachfiguren in seinem Spiel des Schicksals. Auch du spielst darin eine wichtige Rolle, Telaendril. Deshalb sollst du mich auch begleiten."
"Du hast mit dem Fürchterlichen Vater gesprochen? Was haben wir mit dieser Cascada zu tun?"
"Das kann ich dir selbst nicht erklären. Als er mit mir sprach, klang alles so einleuchtend, doch jetzt bin ich genauso verwirrt wie du. Ich weiß nur, dass dies der Weg ist, denn ich gehen muss. Den ich gehen werde. Mein Leben für Sithis, Telaendril.

Mit diesen Worten streckte ich ihr die Hand entgegen. Sie zögerte erst und schaute mir tief in die Augen, in der Hoffnung, in ihnen die Wahrheit lesen zu können. Doch dann ergriff sie die Hand.
"Unser Leben für Sithis!", wiederholte sie.

Was dann geschah, hatte ich beim besten Willen nicht erwartet, oder etwa doch? Ehe ich mich jedenfalls versah, spürte ich plötzlich ihre Lippen auf meinen. Es war ein herzhafter Kuss, den ich zuletzt nur von Antoinetta erwartet hätte. Eine andere Frau hätte ich niemals so nah an mich herangelassen, und doch war ich in diesem Moment nicht in der Lage mich dagegen zu wehren, selbst wenn ich gewollt hätte.

"Und mein Herz für dich,Sarnek!", flüsterte die Bosmerin mir zärtlich ins Ohr.
"Dafür würde Antoinetta dich umbringen", antwortete ich heiser, doch Telaendril lächelte nur.
"Ich bin mir sicher, sie würde mir verzeihen."
Daraufhin verließ sie das Zelt. Mochte mir Sithis doch endlich die Gabe schenken, diese Frau zu verstehen.

Ende Kapitel X (1/3)
 
Zuletzt bearbeitet: